Israels Flagge auf der Bühne: Bogotá streitet nach Hip Hop al Parque über Protest und Respekt
Am grössten Gratis-Hip-Hop-Festival der Stadt ist die Rapperin Chelo Hop mit dem Ruf «Freies Palästina» auf eine israelische Flagge getreten. Israels Botschafterin verlangt eine Stellungnahme von Stadt und Aussenministerium – in Kolumbien prallen nun Solidarität mit Palästina und Empörung über die Geste aufeinander.
Was passiert ist
Am Samstag, dem ersten Tag der 28. Ausgabe von Hip Hop al Parque im Parque Simón Bolívar, legte die Bogotaner Rapperin Chelo Hop am Ende ihres Auftritts eine israelische Flagge auf die Bühne und trat darauf, während Rufe nach einem freien Palästina zu hören waren. Sie stellte dabei ein neues Lied ihres kommenden Albums «Anatomía» vor. Videos davon verbreiteten sich rasch in den sozialen Medien.
Die Künstlerin stand als von der Stadt eingeladene lokale Musikerin auf dem Programm des öffentlich finanzierten Festivals, das laut Stadtverwaltung am Wochenende über 77'000 Besucherinnen und Besucher anzog. Am Montag reagierte Israels Botschafterin in Kolumbien, Vivian Aisen, auf X: Sie lehne die Geste kategorisch ab und forderte Bürgermeister Carlos Fernando Galán, das städtische Kunstinstitut Idartes und das Aussenministerium auf, sich zu äussern.
Bis Dienstag hatten weder Stadt, Idartes noch Aussenministerium öffentlich Stellung genommen, auch die Rapperin selbst schwieg zur Kritik. Der Streit fällt in eine heikle Zeit: Die Regierung von Gustavo Petro hatte die diplomatischen Beziehungen zu Israel wegen des Kriegs in Gaza abgebrochen, das Lager von Abelardo de la Espriella will sie wiederherstellen.
Die Stimmung vor Ort
In den sozialen Netzwerken ist die Meinung laut Vanguardia und Infobae geteilt: Die einen sehen im Auftritt ein legitimes Zeichen der Solidarität mit den Menschen in Palästina und verweisen darauf, dass Hip Hop schon immer politisch war. Die anderen halten es für falsch, an einem mit Steuergeld bezahlten Festival das Nationalsymbol eines anderen Landes mit Füssen zu treten.
Die Botschafterin fragte, wie Kolumbien reagieren würde, wenn seine eigene Flagge im Ausland auf einem öffentlichen Platz zertreten würde – Respekt dürfe keine doppelten Massstäbe kennen. Die rechte Senatorin María Fernanda Cabal sprach von einem Affront gegen ein befreundetes Land und warf der Linken vor, Hass gesät zu haben.
Andere Stimmen in den Netzwerken feierten die Rapperin dagegen dafür, die Sache Palästinas auf eine der grössten Bühnen der Stadt getragen zu haben. In einem früheren Interview mit Canal Capital hatte sie gesagt, ihre Botschaft stecke in ihrer Musik und ihr Auftritt als Künstlerin der Stadt sei für sie eine Verantwortung.
Mehrere Medien werfen nun die Frage auf, wie weit politische Botschaften an öffentlich finanzierten Kulturanlässen gehen dürfen – eine Frage, auf die die Stadtverwaltung bisher keine Antwort gegeben hat.
Stimmen aus den Medien
Quellen
- Vanguardia: Streit um Hip Hop al Parque: Rapperin tritt auf Israels Flagge, Botschafterin verlangt Erklärungen
- El Espectador: Israel weist Respektlosigkeit bei Auftritt an Hip Hop al Parque zurück
- Publimetro Colombia: María Fernanda Cabal empört sich über Rapperin
- Infobae Colombia: Botschafterin Israels kritisiert Künstlerin: «Mangel an Respekt»
Dieser Artikel wurde aus lokalen Quellen in der Landessprache neu geschrieben. Jede Aussage zur Stimmung stützt sich auf die verlinkten Berichte.