Wahlkampf ohne Wasser: Ramaphosa wirbt in Soweto – und hört vor allem Klagen über trockene Hähne
Neun Tage vor den Kommunalwahlen ist Präsident Cyril Ramaphosa in Soweto von Tür zu Tür gegangen. Viele Bewohner empfingen ihn herzlich, doch fast überall ging es um dasselbe: tagelang kein Wasser, fehlende Jobs und Kriminalität.
Was passiert ist
Am Sonntag hat der ANC-Vorsitzende und Staatspräsident Cyril Ramaphosa im Stadtteil Diepkloof in Soweto Haushalte besucht. Anlass sind die Kommunalwahlen vom 4. November, bei denen auch über die Führung der Metropole Johannesburg entschieden wird. Ramaphosa zeigte sich überzeugt, dass seine Partei die absolute Mehrheit zurückgewinnt, und verteidigte die 32-jährige Regierungsbilanz des ANC: Die Entwicklung Sowetos zeige, dass das Positive überwiege, auch wenn es Fehltritte gegeben habe.
Die Zahlen sprechen gegen ihn. Der ANC kam in Johannesburg 2006 noch auf 62 Prozent, 2021 nur noch auf 33 Prozent. Eine Umfrage des Instituts MarkData sieht die oppositionelle Democratic Alliance (DA) bei 35 Prozent und den ANC bei 21,8 Prozent; dahinter folgen MK-Partei, EFF und ActionSA. Eine weitere Umfrage der Social Research Foundation kommt auf ein ähnliches Bild. Eine eigene Mehrheit zeichnet sich für keine Partei ab.
Die Stadt kämpft mit grossen Problemen: Laut Daily Maverick gehen über 40 Prozent des Wassers verloren, bevor es abgerechnet wird, und der Rückstand bei der Infrastruktur übersteigt 185 Milliarden Rand.
Die Stimmung vor Ort
Dutzende Bewohner versammelten sich in Diepkloof, viele in den Farben des ANC, und bereiteten dem Präsidenten einen warmen Empfang. Doch sie nutzten die Gelegenheit auch, um ihrem Ärger offen Luft zu machen. Am häufigsten klagten sie über Wasserhähne, die seit Tagen trocken bleiben, aber auch über Arbeitslosigkeit und steigende Kriminalität.
Eine Frau stellte Ramaphosa direkt wegen der Wasserkrise zur Rede. Ein Anwohner wies auf die Ironie hin, dass der Präsident ausgerechnet in einem Viertel Wahlkampf mache, in dem wegen gedrosselter Versorgung kein Wasser fliesse. Die stellvertretende Bürgermeisterin Loyiso Masuku versprach, das Wasser komme am Nachmittag zurück, und erklärte, die Leitungen in Diepkloof seien für rund 6800 Menschen gebaut worden – heute lebten dort mehr als 38 000.
Die Unzufriedenheit reicht weit über Soweto hinaus. In der MarkData-Umfrage sagen fast sieben von zehn Befragten, Johannesburg sei in den letzten fünf Jahren schlecht geführt worden; gut 61 Prozent bewerten die Wasserversorgung als mangelhaft. Drei Viertel machen den ANC für die schlechten Dienstleistungen verantwortlich.
Stimmen aus den Medien
Quellen
- EWN (Eyewitness News): Ramaphosa rechnet mit absoluter ANC-Mehrheit in Johannesburg
- EWN (Eyewitness News): ANC verstärkt Wahlkampf in Soweto
- IOL: Ramaphosa verteidigt 32 Jahre ANC-Regierung
- Business Day: Umfrage: DA liegt in Johannesburg 13,2 Punkte vor dem ANC
- Daily Maverick: Loyiso Masuku verspricht Kulturwandel in Johannesburg
Dieser Artikel wurde aus lokalen Quellen in der Landessprache neu geschrieben. Jede Aussage zur Stimmung stützt sich auf die verlinkten Berichte.