Pfund auf Rekordtief: In Kairo kommt der schwache Dollarkurs an der Fleischtheke an
Der US-Dollar hat in Ägyptens Banken erstmals die Marke von 55 Pfund überschritten und ist seither weiter gestiegen. Die Zentralbank ruft zur Gelassenheit auf, doch Händler melden bereits teureres Fleisch, teureren Käse und teurere Haushaltsgeräte.
Was passiert ist
Am Donnerstag, 22. Oktober, stieg der Dollar im Tagesverlauf an den ägyptischen Bankschaltern über 55 Pfund, so hoch wie noch nie. Die grossen Banken wie die National Bank of Egypt und die Banque Misr verkauften den Dollar zum Handelsschluss für rund 55,35 Pfund, knapp ein Pfund mehr als am Morgen. Am Montag, 26. Oktober, lag der Kurs laut dem Radiosender Nile FM bereits bei rund 55,77 Pfund.
Die unabhängige Plattform Zawia3 rechnet vor, dass das Pfund seit Ende Februar, vor der Eskalation des Kriegs zwischen den USA und Iran, rund 13,8 Prozent an Wert verloren hat, allein seit Anfang Oktober 6,4 Prozent. Am selben Tag erklärte Premierminister Mostafa Madbouly, der Ölpreis liege bei etwa 110 Dollar pro Fass, während das Budget mit 75 Dollar gerechnet habe.
Fast zeitgleich kündigte Madbouly am Egypt Forum 2026 an, den Mindestlohn im Staatsdienst von heute 8000 Pfund bis zum Fiskaljahr 2029/30 auf 15'000 Pfund anzuheben. Betroffen wären rund 4,5 Millionen Staatsangestellte. Es handelt sich um ein Ziel, nicht um eine bereits geltende Massnahme.
Die Stimmung vor Ort
Im Alltag spüren die Menschen den Kurs vor allem beim Einkaufen. Laut Al Ain ist Fleisch um rund 15 Prozent teurer geworden; ein Kilo einheimisches Rindfleisch kostet je nach Quartier und Stück zwischen 490 und 550 Pfund. Verpackter Käse ist um rund 20 Prozent gestiegen, manche Packungen kosten 20 bis 30 Pfund mehr als im Sommer. Kühlschränke und Waschmaschinen wurden um rund 5 Prozent teurer.
Die Händlerverbände von Kairo, Giza und Alexandria verweisen auf höhere Kosten für Futtermittel, Transport, Versicherung und importierte Rohstoffe. Futtermais etwa kostet statt rund 12'000 nun etwa 17'000 Pfund pro Tonne. Ökonomen sind sich uneins: Einer hält eine Rückkehr Richtung 50 Pfund für möglich, falls es zu einer regionalen Einigung kommt; ein anderer erwartet anhaltenden Druck und eine mögliche Zinserhöhung der Zentralbank.
Zentralbankgouverneur Hassan Abdalla bezeichnete die Schwankungen als normal und verteidigte den flexiblen Wechselkurs. Er rief die Bevölkerung auf, sich nicht von unbegründeter Angst leiten zu lassen. Dass er diesen Appell überhaupt für nötig hielt, zeigt, wie sehr der Kurs die Menschen beschäftigt.
Auffällig ist der Unterschied in der Berichterstattung: Das staatsnahe Al-Ahram meldete den Rekord nüchtern mit einer Tabelle der Bankkurse, ohne Ursachen oder Folgen zu nennen. Die unabhängige Plattform Zawia3 stellte den Absturz dagegen in den Zusammenhang mit Krieg, Ölpreis und Budgetlücke und verweist auf eigene Recherchen zum Schwarzmarkt und zu abfliessendem kurzfristigem Kapital.
Stimmen aus den Medien
Quellen
- Al-Ahram (Bawabat al-Ahram): Dollar durchbricht in den Banken die Marke von 55 Pfund
- Zawia3: Dollar erstmals über 55 Pfund bei ägyptischen Banken
- Egypt Independent: Zentralbankchef erklärt historischen Pfund-Absturz
- Al Ain News: Der Dollar öffnet die Tür zur Teuerung – die Rechnung erreicht die Konsumenten
- Egyptian Streets: Regierung will Mindestlohn bis 2030 auf 15'000 Pfund anheben
- Nile FM: Dollar notiert am 26. Oktober bei 55,77 Pfund
Dieser Artikel wurde aus lokalen Quellen in der Landessprache neu geschrieben. Jede Aussage zur Stimmung stützt sich auf die verlinkten Berichte.