Wie sich die Welt anfühlt
Dienstag, 27. Oktober 2026
Monaco · Monaco · Nachrichten Quellen: Französisch

Warten auf die eigene Wohnung: Monaco verspricht Monegassen mehr Staatswohnungen – und ein neues Vergabesystem

Im reichsten Kleinstaat der Welt warten viele Einheimische jahrelang auf eine bezahlbare Wohnung. Bei der letzten Vergabe wurde weniger als jedes zweite Gesuch erfüllt. Nun setzt die Regierung ein höheres Ziel und ändert ab November die Vergabe grundlegend.

Weltpuls-Redaktion · · Lesezeit 3 Min.
Stimmung im LandHoffnung
Sorge Unsicherheit

Was passiert ist

Monegassische Staatsangehörige haben Anspruch auf eine staatliche Wohnung (logement domanial) zu tragbarer Miete – auf dem freien Markt Monacos sind die Preise für viele unerschwinglich. Laut Monaco Hebdo wurden bei der jüngsten Vergabekommission 146 Wohnungen für 349 gültige Gesuche vergeben. Staatsminister Christophe Mirmand bezeichnete diese Quote im Parlament selbst als unbefriedigend. Er setzte das Ziel, bis 2040 mindestens drei von vier Monegassen in einer Staatswohnung unterzubringen; 2022 waren es 61,9 Prozent. Ursprünglich hatte die Regierung 65 Prozent angestrebt.

Der Weg dahin ist lang: 2027 wird laut Monaco Hebdo keine einzige neue Wohnung fertig – ein «leeres Jahr». Das grosse Projekt Bel Air mit 223 Wohnungen soll im Januar 2028 einen ersten Turm liefern, weitere Bauten folgen bis 2032. Kurzfristig sollen 200 leerstehende Wohnungen innert zwölf Monaten statt wie bisher drei Jahren renoviert und wieder vergeben werden; dafür sind 2026 sechs Millionen Euro vorgesehen. Für 2027 sind 281 Millionen Euro für den Wohnungsbau budgetiert.

Gleichzeitig ändert sich das Verfahren: Wie Radio Monaco berichtet, können Gesuche ab November 2026 jederzeit online eingereicht werden statt nur einmal im Jahr. Ein Online-Katalog zeigt Fotos, Stockwerk, Miete und Lage der verfügbaren Wohnungen; die Bewerber ordnen sie nach ihren Vorlieben, und keine Wohnung wird ohne vorherige Auswahl zugeteilt. 2027 sind zwei, ab 2028 drei Vergaberunden geplant.

Die Stimmung vor Ort

Wie belastend das Warten ist, wurde in der Parlamentsdebatte vom 13. Oktober deutlich, über die Monaco Hebdo am 26. Oktober ausführlich berichtete. Die Präsidentin der Wohnbaukommission schilderte drei Fälle: eine junge Frau, die nach ihrer Rückkehr aus den USA wieder bei ihrer Mutter wohnt, einen geschiedenen Vater, der weiterhin mit seiner Ex-Frau zusammenlebt, und einen 23-Jährigen, der im Ausland lebt und bereits zum dritten Mal ein Gesuch stellt. Ein weiterer Abgeordneter forderte, dass Familien schon vor der Geburt eines Kindes in eine grössere Wohnung ziehen können.

Die Reaktionen der Volksvertreter fallen vorsichtig positiv aus. Parlamentspräsident Thomas Brezzo dankte der Regierung, das Ziel von 65 auf 75 Prozent angehoben zu haben. Vizepräsident Jean-Louis Grinda sprach von wichtigen Fortschritten, machte aber klar, dass das Parlament die Regierung an ihren Taten messen werde. Der Staatsminister versprach, jede allfällige Verzögerung zu erklären.

Direkte Stimmen von Wohnungssuchenden oder Umfragen in der Bevölkerung enthalten die Quellen nicht. Radio Monaco stützt sich ausschliesslich auf die offizielle Präsentation der Reform und betont Modernisierung und Nähe zu den Bedürfnissen der Familien; Monaco Hebdo gibt die Stimmung vor allem über die Abgeordneten wieder, die im Namen der wartenden Familien Druck machen.

Stimmen aus den Medien

Monaco Hebdo · MonacoDas Wochenblatt rechnet die Lücke kritisch vor – weniger als die Hälfte der Gesuche erfüllt, 2027 keine Neubauten – und zeigt ein Parlament, das Fortschritte anerkennt, aber Ergebnisse sehen will.
Radio Monaco · MonacoDer Sender präsentiert die Reform als grosse Modernisierung, die Bewerbern mehr Wahlfreiheit, Transparenz und persönliche Begleitung bringen soll.

Quellen

Dieser Artikel wurde aus lokalen Quellen in der Landessprache neu geschrieben. Jede Aussage zur Stimmung stützt sich auf die verlinkten Berichte.