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Dienstag, 27. Oktober 2026
New York · USA · Nachrichten Quellen: Englisch, Spanisch

800 Millionen Dollar: Missbrauchsbetroffene stimmen Vergleich mit New Yorker Erzdiözese zu

Die katholische Erzdiözese New York steht kurz vor einem Vergleich über mehr als 800 Millionen Dollar mit rund 1300 Menschen, die Missbrauch durch Kirchenleute melden. Laut ihren Anwälten haben alle Betroffenen zugestimmt. Die Reaktionen schwanken zwischen vorsichtiger Hoffnung und dem Gefühl, dass Geld allein keine volle Rechenschaft bedeutet.

Weltpuls-Redaktion · · Lesezeit 3 Min.
Stimmung im LandHoffnung
Gespalten Unsicherheit

Was passiert ist

Wie die New York Times berichtete und die Agentur EFE in El Diario NY aufgriff, haben die Anwälte der Klägerseite ihren Mandantinnen und Mandanten am Freitag mitgeteilt, dass alle einem überarbeiteten Angebot zugestimmt hätten. Es geht um rund 1300 Personen, die Geistlichen und Laienangestellten der Erzdiözese sexuellen Missbrauch vorwerfen. Die Klagen wurden auf Grundlage des New Yorker Child Victims Act eingereicht, der lange zurückliegende Fälle wieder vor Gericht brachte.

Die Betroffenen können demnach eine Pauschale von mindestens 250'000 Dollar wählen oder eine höhere, je nach Fall bemessene Entschädigung. Der im Mai vorgestellte Rahmen sah rund 615 Millionen Dollar in einer ersten Tranche und weitere 185 Millionen etwa 15 Monate später vor; zusätzlich können Ansprüche gegenüber Versicherern geltend gemacht werden. Die Erzdiözese muss zudem ihre Liste glaubwürdig beschuldigter Geistlicher öffentlich halten und Unterlagen an die Iona University übergeben. Ein Sprecher der Erzdiözese betonte, der Vergleich sei noch nicht abgeschlossen.

Um das Geld aufzubringen, hat die Kirche den Grossteil ihrer Immobilien verkauft – 2024 etwa ihren Hauptsitz in Manhattan für 100 Millionen Dollar – und Personal sowie Ausgaben gekürzt. Vermittelt wurde der Deal von Richter Daniel J. Buckley, der 2024 bereits den Vergleich der Erzdiözese Los Angeles über 880 Millionen Dollar begleitet hatte.

Die Stimmung vor Ort

Erzbischof Ronald Hicks hatte sich schon bei der Vorstellung des Rahmens im Mai vorsichtig optimistisch gezeigt. Die Sparmassnahmen nannte er schmerzhaft, aber notwendig; Ziel sei, die Betroffenen ohne langwierige Prozesse und ohne Konkurs der Erzdiözese zu entschädigen. Er rief die Gläubigen auf, für die Überlebenden und für Heilung zu beten.

Auf Seiten der Betroffenen fällt die Bilanz gemischt aus. Opferanwalt Jeff Anderson bezeichnete den Vergleich als ein Mass an Verantwortung und Transparenz, aber weit entfernt von voller Rechenschaft. Ein weiterer Anwalt, der 23 Betroffene vertritt, sagte, seine Mandanten erhielten damit einen Teil, aber nicht die ganze Anerkennung, die sie mit Transparenz und Rechenschaft gesucht hätten.

Dass am Ende alle zustimmten, hat auch mit Druck zu tun: Laut Times warnten die Anwälte ihre Mandanten, ohne Einigung werde die Erzdiözese wohl Gläubigerschutz beantragen – was die Entschädigungen schmälern und die Verfahren verlängern könnte. Direkte Stimmen von Betroffenen oder Kirchgängern finden sich in den bisherigen Berichten kaum.

Stimmen aus den Medien

El Diario NY · New YorkDie spanischsprachige Zeitung meldet den Durchbruch nüchtern über die Agentur EFE und hebt hervor, dass die Kirche Immobilien verkaufen musste und die Einigung formell noch nicht besiegelt ist.
America Magazine · New YorkDas Jesuitenmagazin sieht im Vergleich das mögliche Ende eines fünfjährigen Rechtsstreits und zeigt neben der vorsichtigen Zuversicht der Kirchenleitung auch die Einschätzung der Opferanwälte, dass damit nur ein Teil der Rechenschaft geleistet wird.

Quellen

Dieser Artikel wurde aus lokalen Quellen in der Landessprache neu geschrieben. Jede Aussage zur Stimmung stützt sich auf die verlinkten Berichte.