64:6 vor eigenem Publikum: Port Moresby zwischen Gastfreundschaft, Ernüchterung und Kritik am Rugby-Rummel
Papua-Neuguineas Rugby-League-Team, die Kumuls, verlor an der Weltmeisterschaft im ausverkauften Nationalstadion von Port Moresby 6:64 gegen Samoa. Die Gäste lobten die Herzlichkeit der Fans, der Premierminister sprach von pazifischer Freundschaft – in Leserbriefen wird aber gefragt, ob der Sport drängendere Probleme überdeckt.
Was passiert ist
Am Samstag, 24. Oktober, trafen die Kumuls an der Rugby-League-Weltmeisterschaft im Santos-Nationalstadion in Port Moresby auf Toa Samoa. Zur Pause lagen die Gastgeber nur 6:14 zurück, nach dem Seitenwechsel zog Samoa davon und gewann 64:6 – mit 13 Versuchen zu einem. Laut RNZ Pacific hatte Samoa rund 69 Prozent Ballbesitz und trug den Ball über 2000 Meter weit, Papua-Neuguinea knapp 800.
Für Samoa war es ein lange geplanter Auftritt: Das Team hatte fast ein Jahr auf die Reise nach Port Moresby hingearbeitet und brachte mit Jarome Luai und Brian To'o zwei Spieler mit, die beim neuen Klub PNG Chiefs unterschrieben haben. Die Chiefs sollen 2028 in die australische Profiliga NRL einsteigen; laut Post-Courier waren 10'000 Trikots des Klubs an einem einzigen Tag ausverkauft.
Die Kumuls haben noch eine Chance auf den Halbfinal: Sie müssen am Freitag in Wollongong gegen England gewinnen. Eine Niederlage bedeutet das Aus.
Die Stimmung vor Ort
Die Gäste zeigten sich von Port Moresby beeindruckt. Samoas Trainer Ben Gardiner hatte schon vor dem Spiel von einem überwältigenden Empfang gesprochen, bei dem Samoaner und Einheimische das Team gemeinsam willkommen geheissen hätten. Co-Captain Junior Paulo dankte nach dem Spiel ausdrücklich den Fans aus Papua-Neuguinea für die Zuneigung und den Respekt seit der Ankunft und betonte, in keinem anderen Land sei Rugby League Nationalsport.
Bei den Kumuls überwog die Ernüchterung. Captain Rhyse Martin sagte, man habe sich jahrelang auf diese WM vorbereitet und zur Pause noch im Spiel gelegen – umso enttäuschender sei das Ergebnis. Trainer Jason Demetriou verwies auf Ballverluste, Strafen und den Gegenwind in der zweiten Halbzeit.
Premierminister James Marape versuchte, den Blick zu weiten: Gewonnen hätten Rugby League und die pazifische Freundschaft. Er sieht die WM-Spiele als Lehrstück auf dem Weg zum NRL-Einstieg der Chiefs. Die Zeitung The National hielt fest, die hohe Niederlage habe den pazifischen Geist nicht getrübt, die Verbundenheit nach dem Spiel sei echt gewesen.
Kritische Töne kommen aus der Leserschaft. In einem Leserbrief an The National fordert ein Leser aus der Provinz Jiwaka, die Regierung solle sich statt um den Rugby-Rummel um steigende Lebensmittel- und Treibstoffpreise, fehlende Medikamente in Spitälern und Arbeitslosigkeit kümmern. Angesichts der WM-Resultate müsse sie zudem darlegen, wie das teure NRL-Projekt der breiten Bevölkerung nütze.
Stimmen aus den Medien
Quellen
- RNZ Pacific: Toa Samoa schlägt die Kumuls mit 13 Versuchen zu einem
- The National: Echter pazifischer Geist
- The National: Samoas Trainer lobt warmen Empfang
- The National: Leserbrief: Sport überdeckt die Nöte
- The National: Premierminister: Vorbereitung auf NRL 2028
- Post-Courier: PNG Chiefs verkaufen 10'000 Trikots an einem Tag
Dieser Artikel wurde aus lokalen Quellen in der Landessprache neu geschrieben. Jede Aussage zur Stimmung stützt sich auf die verlinkten Berichte.