Über 10 Milliarden Dollar verwettet: Chiles Rentensparer verlangen Rechenschaft von den AFP
Chiles Pensionsaufsicht beziffert die Bewertungsverluste aus Zinswetten der privaten Rentenkassen (AFP) inzwischen auf über 10 Milliarden US-Dollar. Im Parlament kam es zu einer hitzigen Sitzung, Versicherte ziehen vor Gericht – und viele, die kurz vor der Pension stehen, fragen sich, was ihnen bleibt.
Was passiert ist
Superintendent Joaquín Cortez erklärte am Montag vor der Arbeitskommission der Abgeordnetenkammer, die fünf Multifonds hätten bis September mit Zinsswaps bei ausländischen Banken rund 7,7 Milliarden Dollar verloren; zusammen mit Geschäften im Inland seien es «etwas mehr als 10 Milliarden». Die Aufsicht habe die Kassen bereits 2024 gewarnt.
Die AFP hatten laut 24 Horas darauf gesetzt, dass die US-Zinsen sinken. Stattdessen trieben Krieg und Ölpreis die Inflation und die Renditen von US-Staatsanleihen nach oben. Am härtesten traf es den als sicher geltenden Fonds E, der zwischen Januar und September real rund 10,4 Prozent einbüsste.
Fachleute betonen, es handle sich um Bewertungsverluste, die sich wieder erholen könnten; im Oktober legte der Fonds bisher leicht zu. Wer jedoch jetzt eine lebenslange Rente abschliesst, macht den Verlust endgültig.
Die Stimmung vor Ort
Die Sitzung in der Kommission beschreibt The Clinic als «harte Runde». Abgeordnete von links bis rechts fragten nach Entschädigungen für die Versicherten; Sozialisten forderten, wer die Ersparnisse der Arbeitnehmer verspiele, gehöre ins Gefängnis. Ein Republikaner wollte wissen, warum alle Kassen dieselbe Wette eingingen und was Menschen tun sollen, die jetzt in Pension gehen müssen. Die Kammer beschloss einstimmig eine Untersuchungskommission.
Der Präsident des AFP-Verbands wollte weder über Fehler noch über Entschädigungen sprechen und verwies auf die mögliche Erholung der Kurse – eine Haltung, die die Empörung eher verstärkt.
Bei den Versicherten wächst der Druck auf dem Rechtsweg: Erste Beschwerden vor den Berufungsgerichten in Santiago und Puerto Montt werfen zwei Kassen eine Verletzung ihrer Treuepflicht vor. Ratgeber in den Medien versuchen derweil zu beruhigen und raten von Panikwechseln ab – wer es sich leisten könne, solle die Pensionierung lieber aufschieben.
Stimmen aus den Medien
Quellen
- BioBioChile: Verluste der Pensionsfonds durch AFP-Wetten über 10 Milliarden Dollar
- The Clinic: Die angespannte erste Konfrontation der AFP mit den Abgeordneten
- 24 Horas: «Verlierer sind die Versicherten, nicht die AFP»: Der Einbruch des Fonds E erklärt
- BioBioChile: Versicherte reichen erste Klagen gegen AFP ein
Dieser Artikel wurde aus lokalen Quellen in der Landessprache neu geschrieben. Jede Aussage zur Stimmung stützt sich auf die verlinkten Berichte.