Wie sich die Welt anfühlt
Dienstag, 27. Oktober 2026

Über 10 Milliarden Dollar verwettet: Chiles Rentensparer verlangen Rechenschaft von den AFP

Chiles Pensionsaufsicht beziffert die Bewertungsverluste aus Zinswetten der privaten Rentenkassen (AFP) inzwischen auf über 10 Milliarden US-Dollar. Im Parlament kam es zu einer hitzigen Sitzung, Versicherte ziehen vor Gericht – und viele, die kurz vor der Pension stehen, fragen sich, was ihnen bleibt.

Weltpuls-Redaktion · · Lesezeit 2 Min.
Stimmung im LandWut
Sorge Gelassenheit

Was passiert ist

Superintendent Joaquín Cortez erklärte am Montag vor der Arbeitskommission der Abgeordnetenkammer, die fünf Multifonds hätten bis September mit Zinsswaps bei ausländischen Banken rund 7,7 Milliarden Dollar verloren; zusammen mit Geschäften im Inland seien es «etwas mehr als 10 Milliarden». Die Aufsicht habe die Kassen bereits 2024 gewarnt.

Die AFP hatten laut 24 Horas darauf gesetzt, dass die US-Zinsen sinken. Stattdessen trieben Krieg und Ölpreis die Inflation und die Renditen von US-Staatsanleihen nach oben. Am härtesten traf es den als sicher geltenden Fonds E, der zwischen Januar und September real rund 10,4 Prozent einbüsste.

Fachleute betonen, es handle sich um Bewertungsverluste, die sich wieder erholen könnten; im Oktober legte der Fonds bisher leicht zu. Wer jedoch jetzt eine lebenslange Rente abschliesst, macht den Verlust endgültig.

Die Stimmung vor Ort

Die Sitzung in der Kommission beschreibt The Clinic als «harte Runde». Abgeordnete von links bis rechts fragten nach Entschädigungen für die Versicherten; Sozialisten forderten, wer die Ersparnisse der Arbeitnehmer verspiele, gehöre ins Gefängnis. Ein Republikaner wollte wissen, warum alle Kassen dieselbe Wette eingingen und was Menschen tun sollen, die jetzt in Pension gehen müssen. Die Kammer beschloss einstimmig eine Untersuchungskommission.

Der Präsident des AFP-Verbands wollte weder über Fehler noch über Entschädigungen sprechen und verwies auf die mögliche Erholung der Kurse – eine Haltung, die die Empörung eher verstärkt.

Bei den Versicherten wächst der Druck auf dem Rechtsweg: Erste Beschwerden vor den Berufungsgerichten in Santiago und Puerto Montt werfen zwei Kassen eine Verletzung ihrer Treuepflicht vor. Ratgeber in den Medien versuchen derweil zu beruhigen und raten von Panikwechseln ab – wer es sich leisten könne, solle die Pensionierung lieber aufschieben.

Stimmen aus den Medien

BioBioChile · ConcepciónDer Sender stellt die Warnungen der Aufsicht seit 2024 ins Zentrum und fragt, warum die Kassen nicht früher handelten.
The Clinic · SantiagoDas Magazin sieht die Debatte so politisiert wie nie und schildert, wie sich die Abgeordneten quer durch die Lager gegen die Kassen stellen.
24 Horas · SantiagoDer Nachrichtenkanal erklärt nüchtern, dass die Versicherten und nicht die AFP die Verluste tragen, und rät von überstürzten Fondswechseln ab.

Quellen

Dieser Artikel wurde aus lokalen Quellen in der Landessprache neu geschrieben. Jede Aussage zur Stimmung stützt sich auf die verlinkten Berichte.

Weitere Geschichten aus Santiago de Chile