Reis, Datteln, gepackte Koffer: Teheran bereitet sich auf eine mögliche Rückkehr des Kriegs vor
Vor den Wahlen in Israel und den USA wächst in Teheran die Angst vor neuen Angriffen. Menschen legen Vorräte an, manche packen bereits für die Flucht in den Norden. Gleichzeitig empfängt die Regierung hochrangige Gäste aus Saudi-Arabien, Pakistan und der Türkei – und gibt sich unbeugsam.
Was passiert ist
Rund acht Monate nach Beginn des Kriegs zwischen Iran auf der einen sowie den USA und Israel auf der anderen Seite befürchten viele Menschen in Iran eine neue Eskalation. Laut der Nachrichtenagentur AP droht US-Präsident Donald Trump, die Sache «zu Ende zu bringen»; ein dritter Flugzeugträger und Tausende Soldaten sind auf dem Weg in die Region. In Israel steht am Dienstag eine knappe Wahl an, in den USA am 3. November die Zwischenwahlen. Manche befürchten Angriffe unmittelbar danach. Verhandlungen kommen laut AP seit Monaten kaum voran; Iran fordert die Aufhebung der US-Seeblockade seiner Häfen, Washington eine ungehinderte Durchfahrt durch die Strasse von Hormus und Kontrollen des iranischen Atomprogramms.
Am Montag empfing Präsident Massud Peseschkian in Teheran den saudischen Verteidigungsminister, den pakistanischen Armeechef und den türkischen Geheimdienstchef – die drei Länder haben kürzlich den sogenannten Mekka-Verteidigungspakt geschlossen. Gemäss Tehran Times vereinbarten die vier Länder, die Gespräche über regionale Sicherheit fortzusetzen. Al Jazeera berichtet, dass Fachleute die Erfolgsaussichten zurückhaltend beurteilen.
Wirtschaftlich steht das Land unter starkem Druck. Die Blockade hat laut AP die Ölexporte gestoppt und zu Medikamentenengpässen geführt; Hinweise auf Engpässe bei Lebensmitteln gebe es nicht. Reis ist demnach über 60 Prozent teurer als vor dem Krieg, Rindfleisch über 150 Prozent. Der offizielle Kurs der Zentralbank lag am 24. Oktober bei rund 1,85 Millionen Rial pro Dollar, auf dem freien Markt laut Trend News Agency bei etwa 2,72 bis 2,75 Millionen.
Die Stimmung vor Ort
Die AP sprach in Teheran mit Menschen, die sich auf das Schlimmste einstellen. Eine 35-jährige Mutter eines Kleinkinds hortet rezeptfreie Medikamente und Lebensmittel, weil sie noch grössere Bomben befürchtet. Ein 39-jähriger Angestellter hat nach Angriffen in der Strasse von Hormus zusätzlich getrocknete Datteln, Speiseöl und Reis gekauft. Ein 45-jähriger Fitnesstrainer hat seine Sachen gepackt, um in eine sicherere Stadt im Norden zu ziehen, und Konserven, Cracker und Decken besorgt.
Die Preise drücken zusätzlich auf die Stimmung: Ein 36-jähriger Angestellter mit mittlerem Lohn erzählt, dass ein Einkauf im Supermarkt die Hälfte seines Monatslohns von 400 Millionen Rial (rund 150 Dollar) verschlingen kann. Das exilnahe Iran International berichtete schon Anfang Oktober, dass Haushalte ihr Geld in Gold, Münzen und Dollar flüchten – als Schutz vor dem Rial-Zerfall, nicht aus Vertrauen in die Wirtschaft.
Das Stadtbild erinnert ständig an den Krieg: Laut AP stehen in Teheran zerbombte Gebäude aus den Angriffen vom März und April. Auf einem grossen Platz zeigt eine Plakatwand einen Trump-Doppelgänger hinter Gittern; Passanten bleiben davor stehen. Eine 30-Jährige sagte der AP, Trump habe behauptet, für die Iraner zu handeln, ihre Lage aber verschlimmert. Ein 50-Jähriger glaubt nicht, dass die Wahlen etwas ändern – die Feindseligkeit gegenüber Iran bleibe dieselbe.
Die staatsnahe Tehran Times zeichnet ein ganz anderes Bild: Sie gibt vor allem Peseschkians Botschaft wieder, der Druck von aussen habe die nationale Einheit gestärkt und das iranische Volk lasse sich nicht zur Kapitulation zwingen. Stimmen aus der Bevölkerung oder zu Preisen und Versorgung kommen in diesem Bericht nicht vor.
Stimmen aus den Medien
Quellen
- Associated Press (via KRMG): Iraner fürchten vor den Wahlen in den USA und Israel die Rückkehr zum Krieg
- Tehran Times: Peseschkian zu Delegation aus Türkei, Pakistan und Saudi-Arabien: Iran sucht Zusammenarbeit
- Al Jazeera: Mitglieder des Mekka-Verteidigungspakts in Teheran
- Trend News Agency: Offizielle Wechselkurse vom 24. Oktober
- Iran International: Teheran uneins über Zwei-Milliarden-Plan zur Stützung des Rial
Dieser Artikel wurde aus lokalen Quellen in der Landessprache neu geschrieben. Jede Aussage zur Stimmung stützt sich auf die verlinkten Berichte.