Japan nimmt Abschied von Yasuo Fukuda – und streitet über sein Erbe im Umgang mit China
Der frühere Premierminister Yasuo Fukuda ist mit 90 Jahren in einem Tokioter Spital gestorben. Politikerinnen und Politiker aller Lager würdigen ihn, doch die grossen Zeitungen bewerten seine Amtszeit sehr unterschiedlich. Und aus Peking kommt ein Beileid mit spitzem Unterton.
Was passiert ist
Yasuo Fukuda ist am Donnerstag, 22. Oktober, in einem Spital in Tokio an Herzversagen gestorben. Die regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) machte den Tod erst am Montag, 26. Oktober, öffentlich. Die Beisetzung fand im engsten Familienkreis statt, eine öffentliche Gedenkfeier soll später folgen.
Fukuda regierte Japan nur rund ein Jahr, von September 2007 bis September 2008. Er hatte mit einem gespaltenen Parlament zu kämpfen und trat zurück, als seine Zustimmungswerte sanken. In Erinnerung bleibt er als Gastgeber des G8-Gipfels 2008 in Toyako auf Hokkaido, als Förderer des Klimaschutzes und als Politiker, der die Beziehungen zu China verbessern wollte: 2008 kam mit Hu Jintao erstmals seit zehn Jahren ein chinesisches Staatsoberhaupt nach Japan. Fukuda war zudem der Sohn des früheren Premiers Takeo Fukuda – das erste Vater-Sohn-Paar an der Spitze der japanischen Regierung.
Nach seinem Rückzug aus der Politik 2012 blieb er ein Vermittler. 2014 traf er in Peking Staatschef Xi Jinping und half so, ein Gipfeltreffen mit dem damaligen Premier Shinzo Abe vorzubereiten. Lange präsidierte er zudem das Boao-Forum für Asien.
Die Stimmung vor Ort
In Tokio überwiegen respektvolle Worte. Premierministerin Sanae Takaichi sprach laut Bernama von tiefer Trauer und hob hervor, wie Fukuda Japans Haltung in internationalen Fragen vermittelt habe. Die Okinawa-Zeitung Ryukyu Shimpo berichtet, sie habe besonders den Gipfel von Toyako gewürdigt, mit dem Japan seine Präsenz in der Welt gestärkt habe. Laut dieser Zeitung häuften sich die Trauerbekundungen aus der Politik.
Wie das taiwanische Portal Storm Media aus japanischen Medien zusammenträgt, kamen Würdigungen über die Parteigrenzen hinweg: Ex-Premier Junichiro Koizumi erklärte, ohne Fukudas Unterstützung als Kabinettssekretär wäre seine eigene Amtszeit kaum denkbar gewesen. Ex-Premier Shigeru Ishiba erinnerte an Fukudas Verständnis für China und Asien, und Oppositionspolitiker Yoshihiko Noda verwies darauf, dass Fukuda nach dem Inselstreit von 2012 half, die Beziehungen zu stabilisieren. Fukudas Sohn, selbst LDP-Abgeordneter, schrieb auf X, sein Vater habe bis zum Vortag seines Todes gearbeitet.
Einig ist sich Japan im Urteil aber nicht. Laut Storm Media setzen die grossen Zeitungen ganz unterschiedliche Akzente: Asahi betont seine Friedens- und Dialogpolitik, Mainichi beschreibt ihn als jemanden, der unter schwierigen Umständen durchhielt, während die konservative Sankei zwar seinen Einfluss im Hintergrund anerkennt, seinen Führungsstil aber als zögerlich kritisiert.
Zusätzlich Gewicht bekommt der Abschied durch die angespannten Beziehungen zu China. Pekings Aussenamtssprecher nannte Fukuda einen alten Freund des chinesischen Volkes und verband das Beileid mit der Aufforderung an Japans heutige Regierung, sich selbst zu prüfen. Japanische Zeitungen wie Mainichi und Sankei lesen das laut Storm Media als verdeckte Kritik an Takaichi, deren Äusserungen zu Taiwan Peking seit 2025 erzürnen. Stimmen aus der Bevölkerung finden sich in den ausgewerteten Quellen nicht; die Reaktionen stammen von Politik und Medien.
Stimmen aus den Medien
Quellen
- Nippon.com (Jiji Press): Ex-Premier Fukuda mit 90 Jahren gestorben
- Bernama: Fukuda, Brückenbauer zu China, ist tot
- Ryukyu Shimpo: Premierministerin: Fukuda trug Japans Präsenz in die Welt
- Storm Media (Taiwan): Peking trauert um «alten Freund» und kritisiert Takaichi
- TBS News (AFP): Peking ruft Japans Führung zur Selbstprüfung auf
- South China Morning Post: Fukudas Tod hinterlässt Lücke in angespannten China-Japan-Beziehungen
Dieser Artikel wurde aus lokalen Quellen in der Landessprache neu geschrieben. Jede Aussage zur Stimmung stützt sich auf die verlinkten Berichte.