Totengebete in allen Kirchen: Addis Abeba trauert um 60 getötete Gläubige aus Arsi
Bei zwei Angriffen auf Dörfer in der Zone Arsi sind nach Angaben der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche 60 Gläubige getötet worden. Am Sitz des Patriarchen in Addis Abeba begann die Synode ihre Herbstversammlung mit Trauergebeten – und mit deutlichen Forderungen an die Regierung.
Was passiert ist
Am 20. Oktober wurden laut der Heiligen Synode im Bezirk Merti 14 Menschen getötet, am 24. Oktober in mehreren Dörfern des Nachbarbezirks Shirka weitere 46. Über 20 Verletzte liegen im Spital, 20 Wohnhäuser brannten nieder. Die Dörfer liegen südlich der Hauptstadt in der Region Oromia.
Bekannt wurden die Zahlen am Montag, als die Synode ihre Vollversammlung in Addis Abeba eröffnete. Unabhängig überprüft sind sie bisher nicht. Zu den Tätern hat sich niemand bekannt. Laut Al Jazeera beschuldigen lokale Behörden ein neu gebildetes Rebellenbündnis, zu dem die Oromo-Befreiungsarmee (OLA) gehört; die OLA hat in der Vergangenheit bestritten, Zivilisten anzugreifen. Die Regionalregierung von Oromia kündigte an, die Verantwortlichen zu verfolgen.
Es ist nicht der erste Angriff dieser Art: Schon im Juni gab es in Arsi Tote unter orthodoxen Gläubigen, und die Äthiopische Menschenrechtskommission zählte im Juli seit 2021/22 mindestens 432 getötete Zivilpersonen bei gezielten Angriffen in Ost-Arsi.
Die Stimmung vor Ort
Die Kirche spricht von tiefer Trauer – besonders um die getöteten Kinder. Am Montag hielt sie im Kloster am Patriarchensitz in Addis Abeba ein Totengebet ab; am Dienstag folgten nach der Liturgie Gebete in allen Pfarreien und Klöstern weltweit.
Neben der Trauer ist Ungeduld zu spüren. Die Synode beschreibt die Gewalt als Muster, das sich seit Jahren wiederholt und verschärft, und verlangt, dass die Regierung die Taten öffentlich verurteilt, die Täter vor Gericht bringt und Sicherheitskräfte zum Schutz der Dörfer einsetzt. Ein Treffen mit hohen Regierungsvertretern ist angekündigt.
In den äthiopischen Medien dominiert die Sicht der Kirche; Stimmen der Regionalregierung oder der bewaffneten Gruppen kommen kaum vor. Die Zeitung The Reporter betont, dass die Opferzahlen bisher allein von der Synode stammen.
Stimmen aus den Medien
Quellen
- Addis Standard (via allAfrica): Heilige Synode bestätigt 60 getötete Gläubige in Arsi
- The Reporter: Neue Welle von Tötungen an orthodoxen Christen in Arsi
- Meseret Media: Synode meldet 60 getötete Gläubige in der Zone Arsi (Amharisch)
- Al Jazeera: Sechzig Christen in Oromia getötet
Dieser Artikel wurde aus lokalen Quellen in der Landessprache neu geschrieben. Jede Aussage zur Stimmung stützt sich auf die verlinkten Berichte.