Dollar springt um 8 Prozent: Nach Lulas Sieg rechnen Brasiliens Reisende und Sparer neu
Am Tag nach Lulas Wiederwahl erlebte Brasilien den heftigsten Marktschock seit Jahren: Der Dollar stieg so stark wie seit 1999 nicht mehr, die Börse verlor fast 14 Prozent. In Wechselstuben und Reisebüros herrscht vor allem Unsicherheit darüber, wie teuer das Ausland nun wird.
Was passiert ist
Am Montag, 26. Oktober, schloss der Dollar bei 5,40 Reais – ein Plus von 8,21 Prozent und laut Guia do Investidor der grösste Tagesanstieg seit Januar 1999. Am Morgen hatte er zeitweise mehr als 5,60 Reais gekostet. Die Börse B3 setzte den Handel kurz nach Eröffnung für 30 Minuten aus, erstmals seit März 2020; der Leitindex Ibovespa schloss 13,88 Prozent tiefer bei 176'608 Punkten.
Viele Anleger hatten auf einen Sieg von Flávio Bolsonaro und eine strengere Ausgabenpolitik gesetzt. Lula gewann die Stichwahl jedoch mit 51,79 Prozent der gültigen Stimmen. Laut InfoMoney fürchten Investoren, dass das Haushaltsloch bleibt und ein kritischer Kongress das Regieren erschwert. Der Staatsschatz sagte geplante Anleihe-Auktionen dieser Woche ab und kaufte Staatspapiere zurück, um die Zinsen zu beruhigen.
Finanzminister Dario Durigan kündigte an, die Regierung wolle noch in diesem Jahr Gesetz oder Verfassung anpassen, um das Haushaltsziel genauer zu erreichen.
Die Stimmung vor Ort
Für Reisende kam der Schock direkt am Schalter an: In Wechselstuben in São Paulo und Rio de Janeiro kostete der Tourismus-Dollar am Montag zwischen 5,77 und 5,89 Reais, der Euro mehr als 6,50 Reais – rund 7 bis 10 Prozent mehr als noch am Freitag, wie Brasil em Folhas berichtet. Ein Mitarbeiter einer Wechselstube in Rio sprach von einem «enormen» Unterschied und riet, Devisen vorerst nur in Etappen zu kaufen.
In der Tourismusbranche sorgt man sich weniger um die Höhe des Kurses als um das Hin und Her. Ein Ökonom des Handelsverbands FecomercioSP erklärte dem Fachportal Panrotas, ständige Kurssprünge bremsten die Nachfrage ebenso wie ein hoher Kurs, weil Familien ihre Reisekosten nicht mehr planen könnten und Ferien eher verschieben. Teurer werden könnten zudem Kerosin, Diesel und Benzin – und damit Flüge, Busreisen und Mietwagen.
An der Börse traf es Banken und Detailhändler am härtesten, während Exporteure wie Suzano und Vale zulegten, weil sie in Dollar verdienen. Ein Vermögensverwalter sagte InfoMoney, die Fortsetzung der Regierung allein führe nicht zu einem dauerhaften Absturz – entscheidend seien die nächsten Haushaltsentscheide.
Stimmen aus den Medien
Quellen
- InfoMoney: Ibovespa bricht nach der Wahl um 13 Prozent ein, Dollar steigt um 8 Prozent
- Guia do Investidor: Grösster Dollaranstieg seit 1999 nach Lulas Sieg
- Brasil em Folhas: Tourismus-Dollar steigt nach Lulas Wiederwahl
- Panrotas: Dollar springt nach Lulas Wiederwahl – was das für den Tourismus bedeutet
Dieser Artikel wurde aus lokalen Quellen in der Landessprache neu geschrieben. Jede Aussage zur Stimmung stützt sich auf die verlinkten Berichte.