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Dienstag, 27. Oktober 2026
Brasília · Brasilien · Nachrichten Quellen: Portugiesisch

Wende in der Wahlnacht: Brasilien zwischen Jubel und Unglauben

Lula gewinnt die Stichwahl mit 51,79 Prozent gegen Flávio Bolsonaro – als erster Kandidat seit der Rückkehr zur Demokratie, der einen Rückstand aus dem ersten Wahlgang noch dreht. Während seine Anhänger feiern, will der Verlierer die Wahl annullieren lassen.

Weltpuls-Redaktion · · Lesezeit 2 Min.
Stimmung im LandGespalten
Erleichterung Unglauben Unsicherheit
Lula · 51,79 %
48,21 % · Flávio Bolsonaro
Stichwahl vom 25. Oktober 2026 · Quelle: Oberstes Wahlgericht TSE

Was passiert ist

Luiz Inácio Lula da Silva ist zum vierten Mal zum Präsidenten Brasiliens gewählt. Nach den Zahlen des Obersten Wahlgerichts TSE erhielt er am Sonntag 51,79 Prozent der gültigen Stimmen, sein Herausforderer Flávio Bolsonaro, Senator und Sohn des früheren Präsidenten, kam auf 48,21 Prozent.

Bemerkenswert ist der Verlauf: Im ersten Wahlgang Anfang Oktober lag noch Flávio vorn, mit 47,03 gegen 45,16 Prozent. Dass ein Kandidat einen solchen Rückstand in der Stichwahl noch dreht, hat es seit der Rückkehr Brasiliens zur Demokratie nicht gegeben.

Die Stimmung vor Ort

Die Auszählung wurde zur Achterbahnfahrt. Kurz nach 20 Uhr Ortszeit zog Flávio vorbei, eine knappe halbe Stunde später lag wieder Lula vorn. Kurz nach 21 Uhr stand rechnerisch fest, dass sich daran nichts mehr ändern würde.

In Rio de Janeiro hatten sich rund zwanzig Anhänger Flávios trotz Regen vor einer Wohnanlage im Stadtteil Barra da Tijuca versammelt. Als ihr Kandidat in Führung ging, zündeten sie Feuerwerk und sangen Wahlkampflieder. Als Lula wieder vorne lag, wurde es still.

Im Wahlkampfquartier in Brasília wich die Feierlaune der Ernüchterung, das vorbereitete Grillfest wurde abgesagt. Brasilianische Medien beschreiben eine Stimmung wie bei einer Trauerfeier. Videos von Flávio und seinen Verbündeten im Moment der Niederlage verbreiteten sich in der Nacht rasant und wurden zum Meme.

Im Lager des Präsidenten dagegen wurde gefeiert, etwa in Belo Horizonte. Doch die Erleichterung hat einen Beigeschmack: Flávio kündigte an, das Ergebnis nicht anzuerkennen und die Annullierung der Wahl zu beantragen. Die Präsidenten von Oberstem Gericht, Wahlgericht, Senat und Abgeordnetenkammer haben das Ergebnis dagegen anerkannt.

Stimmen aus den Medien

g1 (TV Globo) · Rio de JaneiroSpricht von einer historischen Wende und stellt Lulas vierte Amtszeit in den Mittelpunkt.
Terra / Estadão · São PauloBlickt hinter die Kulissen des Verlierers: Anspannung, Tränen und Niedergeschlagenheit im Quartier in Brasília.
Estado do Pará Online · BelémBerichtet, dass der rechte Politiker Renan Santos Wähler seines Lagers aufruft, sich nicht an Protesten gegen das Ergebnis zu beteiligen.
Warum es uns betrifft 56,7 %

So viele Brasilianerinnen und Brasilianer in der Schweiz haben in allen 34 Wahllokalen für Lula gestimmt, 43,3 Prozent für Flávio. Die Spaltung des Landes reicht bis in unsere Nachbarschaft.

Quellen

Dieser Artikel wurde aus lokalen Quellen in der Landessprache neu geschrieben. Jede Aussage zur Stimmung stützt sich auf die verlinkten Berichte.

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