Ebola-Patientin in der Schweiz, Nigeria ohne aktiven Fall: Lagos bleibt wachsam – und das Misstrauen wächst
Nach der Verlegung der ersten Ebola-Patientin seit über zehn Jahren in die Schweiz hat Nigeria keinen aktiven Fall mehr. Lagos verstärkt dennoch die Kontrollen am Flughafen, während im Netz die Frage lauter wird, wo die zehn Milliarden Naira für die Ebola-Abwehr geblieben sind.
Was passiert ist
Am 20. Oktober hatte Nigeria seinen ersten Ebola-Fall seit über einem Jahrzehnt bestätigt: Eine aus Uganda eingereiste Frau, Ehefrau eines Schweizer Diplomaten, war in einer Privatklinik in Abuja behandelt worden. Am Montagmorgen wurde sie zusammen mit ihrem Mann, der keine Symptome hat, in die Schweiz ausgeflogen, wie Premium Times berichtet.
Die Weltgesundheitsorganisation erklärte danach, Nigeria habe keinen aktiven bestätigten Fall mehr. Die Gesundheitsbehörde NCDC überwacht aber weiterhin 53 Kontaktpersonen, darunter Gesundheitspersonal und Hausangestellte, jeweils 21 Tage lang. Gesundheitsminister Muhammad Ali Pate betonte, die Verlegung sei unter strengen Schutzvorkehrungen erfolgt.
Betroffen von der Ebola-Variante Bundibugyo war bisher vor allem die Hauptstadt Abuja. Lagos, Nigerias grösste Stadt mit dem wichtigsten internationalen Flughafen, meldet keinen Verdachtsfall.
Die Stimmung vor Ort
In Lagos setzt die Regierung auf Ruhe und Wachsamkeit: Gesundheitskommissar Akin Abayomi rief die Bevölkerung laut Leadership auf, gelassen, aber aufmerksam zu bleiben. Am Flughafen Murtala Muhammed werden Reisende verstärkt kontrolliert. Der Sender Wazobia FM erklärt seinem Publikum auf Pidgin, dass erste Ebola-Symptome einer Malaria ähneln können, und verbreitet die Notrufnummern 112 und 767.
Im Netz schlägt die Erleichterung in Misstrauen um: Laut Peoples Gazette verlangen viele Nutzerinnen und Nutzer Auskunft über die zehn Milliarden Naira, die Präsident Tinubu im Juni für eine Ebola-Taskforce bewilligt hatte; manche unterstellen, die Ebola-Angst sei ein Vorwand gewesen. Das Präsidialamt hält dagegen, das Geld sei «unangetastet».
Auch die Quarantäne sorgt für Unmut: Einige Kontaktpersonen klagten laut Leadership, sie könnten weder ihren Familienpflichten nachkommen noch ihre Geschäfte führen. Die Behörden versorgen sie mit Lebensmitteln und prüfen wöchentliche Zahlungen von 100'000 Naira. NCDC-Chef Jide Idris wies zudem Vorwürfe zurück, die Patientin sei heimlich ausser Landes gebracht worden.
Stimmen aus den Medien
Die Patientin wird laut dem nigerianischen Gesundheitsminister am Universitätsspital Genf behandelt, ihr Ehemann ist am Universitätsspital Zürich isoliert.
Quellen
- Premium Times: Ebola: Nigerias erste Patientin in die Schweiz ausgeflogen, bestätigt der Gesundheitsminister
- Peoples Gazette: Nigerianer fordern Rechenschaft über den 10-Milliarden-Naira-Ebola-Fonds
- Leadership (via allAfrica): Ebola: Bundesstaaten verstärken Überwachung, Zahl der Kontaktpersonen steigt
- Wazobia FM: Lagos beginnt mit neuen Massnahmen gegen Ebola
Dieser Artikel wurde aus lokalen Quellen in der Landessprache neu geschrieben. Jede Aussage zur Stimmung stützt sich auf die verlinkten Berichte.