Wie sich die Welt anfühlt
Dienstag, 27. Oktober 2026

Auszug bis Weihnachten: Sydney wehrt sich gegen den Verkauf der 176 Jahre alten Victoria Barracks

Die australische Regierung will die historische Armeekaserne im Quartier Paddington verkaufen, die Soldaten sollen bis Weihnachten ausziehen. Eine ungewöhnlich breite Allianz von Ex-Premier John Howard bis zu den Grünen protestiert – und auch der Labor-Premier von New South Wales stellt sich gegen die eigene Partei in Canberra.

Weltpuls-Redaktion · · Lesezeit 2 Min.
Stimmung im LandWut
Gespalten

Was passiert ist

Die Victoria Barracks, in den 1840er-Jahren von Sträflingen erbaut, gehören zu 67 wenig genutzten oder leerstehenden Liegenschaften der Armee, die nach einer unabhängigen Prüfung landesweit verkauft werden sollen; insgesamt sollen bis zu 3 Milliarden australische Dollar zusammenkommen, berichtet ABC. Auch der Marinestützpunkt HMAS Penguin am Middle Head soll auf den Markt.

Auf dem 13 Hektar grossen Gelände arbeiten rund 500 Menschen. Die meisten sollen in die Randwick Barracks umziehen, andere vorübergehend in ein Bürohochhaus im Zentrum. Aus Armeekreisen heisst es laut ABC, es würden bereits Kisten gepackt, das Ziel sei ein Auszug bis Weihnachten.

Verteidigungsminister Richard Marles verteidigt den Verkauf: Der Standort sei für die Landesverteidigung nicht zentral, die Arbeit dort grösstenteils Büroarbeit, und der Unterhalt würde in den nächsten zehn Jahren 200 Millionen Dollar kosten. Alle Gebäude blieben auch nach einem Verkauf geschützt.

Die Stimmung vor Ort

Am Sonntag versammelten sich laut der Nachrichtenagentur AAP rund tausend Menschen zu einer Kundgebung gegen den Verkauf. Ex-Premier John Howard nannte die Kaserne unersetzlich und erhielt viel Applaus. Liberale, Grüne, One Nation, unabhängige Abgeordnete und der Veteranenverband RSL stehen in dieser Frage gemeinsam auf der Gegenseite.

Ganz harmonisch war die Allianz nicht: Grünen-Politiker David Shoebridge bekam Zustimmung für seine Kritik an der Privatisierung öffentlichen Bodens, aber Buhrufe, als er AUKUS und die Geschichte der Aborigines auf dem Areal ansprach (AAP). Die Oppositionsführerin von New South Wales versprach ein Gesetz gegen den Verkauf, falls ihre Koalition die Wahl im März gewinnt.

Auch Premier Chris Minns (Labor) fordert Canberra auf, den Entscheid rückgängig zu machen, und spricht laut ABC von einer verpassten Chance. Marles wiederum führt den Widerstand auf «ein paar ehemalige Generäle» zurück, die gern Zeit auf dem Gelände verbracht hätten.

Stimmen aus den Medien

ABC News · SydneyZeigt die Folgen für die rund 500 Beschäftigten und den offenen Streit zwischen Sydney und Canberra innerhalb der Labor-Partei.
AAP · SydneyBeschreibt eine bunte Protestallianz quer durch alle Lager, die sich nur im Nein zum Verkauf einig ist.

Quellen

Dieser Artikel wurde aus lokalen Quellen in der Landessprache neu geschrieben. Jede Aussage zur Stimmung stützt sich auf die verlinkten Berichte.

Weitere Geschichten aus Sydney